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Dienstag, 10. April 2012

Los clásicos alemanes: Zwei Fans und Ihre Gedanken zum Spiel BVB - FCB und seinen Sieger

Es ist bewundernswert und schmerzlich zugleich, wenn man als Bayern-Fan beobachten muss, wie immer wieder Vereine aus dem nichts hervorschießen und uns unseren schönen Platz an der Sonne rauben wollen. Beim BVB ist dies anders. Vermutlich wird dies kein kurzes Intermezzo a la Wolfsburg, Kaiserslautern und Co. Nichtsdestotrotz ist es erstaunlich, wie im gelb-schwarzen Pott nach nur 1 1/2 Jahren das Selbstvertrauen gewachsen ist.


Liebe Dortmund-Fans,
 
Man sagt: Vorfreude ist die schönste Freude. Auf den morgigen Fussball-Mittwoch wird dies nur bedingt zutreffen. Zumindest was uns Fans des FC Bayern angeht. Denn die Freude, die wir nach unserem Sieg über Euch haben werden, wird jede Vorfreude noch um ein vielfaches übersteigen.
 
Es ist ja schön, dass Ihr Briefe an unseren Uli schreibt um kund zu tun, wie Ihr seine psychologischen Spielchen findet und wie sich das Blatt gegen ihn wenden wird, aber damit verkennt Ihr eines: Ihr spielt hier nicht nur gegen Ulis Psychotricks und gegen die qualitativ beste Mannschaft Deutschlands, sondern Ihr spielt gegen den FC Bayern. Der FC Bayern ist nicht nur ein Ribéry, "Osram" Heynckes oder Euer größter Frust, wenn wieder ein paar flotte Sprüche aus der „Abteilung Attacke“ zu hören sind, sondern ein Verein, der es schafft die wesentlichen und geschichtsträchtigen Spiele für sich zu entscheiden. Morgen werden wir, Fans, Spieler und die „Abteilung Attacke“ alles dafür geben, dass wir den richtigen Schritt in Richtung Meisterschale gehen.
 
Unser „Mia san Mia“ ist nicht auf dem Mist einer netten Marketing-Firma entstanden. Unsere „Echte Liebe“ hat den Verein zu großen Siegen getragen und ist daran gewachsen. Spiele die verloren schienen, Meisterschaften die nicht mehr möglich waren. Und morgen wird wieder so ein Tag sein.
 
Liebe BVB’ler, es ist schön, dass es endlich wieder einen Verein gibt, der uns wirklich Konkurrenz macht und ich finde es super, dass man solche Spiele - wie das morgige - endlich wieder in der Bundesliga erleben kann. Ein Spiel, das elektrisiert und die Gemüter erhitzt. Ihr habt so viel „Echte Liebe“ in der letzten Saison hinzugewonnen und das zu Recht. Und auch in dieser Saison spielt Ihr wieder unglaublich guten Fussball. Doch die entscheidenden Spiele gehören uns. Unser ganzes Team ist heiß, die letzten offenen Rechnungen zu begleichen und ganz ehrlich: Das Spiel der Saison findet für uns dieses Jahr nicht in der Champions League statt, sondern in Dortmund. Den größten Gefallen, den Ihr Euch selber tun könntet, wäre Ruhe im Stadion einkehren zu lassen, denn es gibt wohl keinen Verein in der Liga der sich mehr an der Antipathie der gegnerischen Fans „aufgeilen“ kann, wie unser FC Bayern.
 
Aber abgesehen davon habt Ihr ein hervorragendes Team und einen erstklassigen Trainer, der jetzt eigentlich auf der Bayern-Bank sitzen würde, wenn nicht irgendein Held im Vorstand in der Nacht vor der Entscheidung die „10 besten Tore von Jürgen Klinsmann“ auf youtube angeklickt hätte. Sei es drum. Unserem alten Hasen auf Trainerbank etwas von Taktik zu erzählen ist lächerlich. "Osram" und seine 101-jährige Trainererfahrung werden schon die richtigen Kniffe parat haben.
 
Und ist unsere Abwehr vielleicht ab und an wackelig – auch ein BVB muss bis dort erstmal kommen. Das gelang Euch schon im Hinspiel nicht sonderlich oft und wird nun nicht unbedingt einfacher. Einen FC Bayern, mit Robbery in weltklasse Form und einem genesenen Bastian Schweinsteiger, zu schlagen wird nicht leicht.
 
Fest steht eins: Wir alle hoffen auf einen geilen Fussballabend. Es kribbelt, wenn man an das Spiel denkt und es ist toll, wie sich überall im Internet die Fans heiß reden auf das Spiel. Ein Großteil davon hofft dabei auf ein besseres Ende für die Roten. Für mich besteht daran kein Zweifel.

Euer Chris
Das Schöne an den Aphorismen, die jeder mehr oder weniger einflussreiche Mann im deutschen Fußball irgendwann einmal hat fallen lassen: Sie kommen in der Regel umso gnadenloser zurück! So freute sich Uli Hoeneß vor kurzem – zugegebenermaßen einer der bedeutensten Stimmenheber – darüber, dass es sein FC Bayern nun wieder selbst in der Hand habe. Aber was eigentlich? Im Hinblick auf das Spiel am Mittwochabend möchte ich ihm nun darlegen, warum seine Euphorie ein jähes Ende nehmen wird.

Lieber Uli,

falls du die Schale meinst, so lasse dir gesagt sein, dass ihr derzeit wenn überhaupt eure Flossen an der Schale, aber diese eben nicht in der Hand habt. Was mich als Borussen dabei positiv stimmt, ist die Tatsache, dass ich Michael Zorc heute ganz früh morgens getroffen habe. Du meintest ja mal, er stünde auf wenn du bereits gefrühstückt hast. Jedenfalls war er im Begriff, die Trophäe mit Vaseline einzureiben – nun sollte sie für euch ohnehin zu glitschtig geworden sein. Und so viel sei bereits jetzt gesagt: Zum Pokalfinale wird er sich etwas anderes ausdenken.

Außerdem vertraue ich auf das tatktische Geschick unseres Trainers. Falls die Vaseline an der Schale doch auszutrocknen drohen sollte, macht er eben Kagawa vom Koi zum Aal. Damit kann er sich noch besser aus euren Händen winden. Und wie die letzten drei Spiele gezeigt haben, verfügt unser Kloppo über die nötige Kenntnis. Gewiss, die individuelle Stärke deiner Jungs ist über jeden Zweifel erhaben. Aber das ist nicht alles im Fußball. Die taktischen Überlegungen, die sich Jürgen Klopp einfallen lassen wird und die durch eine unwiderstehliche Energieleistung sowie durch mannschaftliche Geschlossenheit auf den Rasen gebracht werden wird, macht mich siegessicher! Denn der BVB hat bewiesen, dass er über sich hinauswachsen kann, wenn er will und sofern das Spiel nicht unter der Woche um 20:45 Uhr angepfiffen wird. Und das zeigen wir euch!

Und wo ich doch grad beim Trainer war: Hast du schon gehört? Unser Kloppo will seine Motivation in Flaschen abfüllen. Dabei bleibt aus eurer Sicht tatsächlich nur zu hoffen, dass das Zeug auf der Dopingliste steht und er gesperrt wird, bevor er es seinen Spielern verabreichen konnte – sofern das überhaupt nötig sein sollte. Kevin Großkreutz hat die letzten Nächte bereits in Trockeneis schlafen müssen. Lass dir gesagt sein: So heiß sind wir alle auf euch! Ohne Zweifel hat „Don Jupp“ einen großen Ruf. Ich rate euch und ihm trotzdem davon ab, es dem Kloppo gleichtun zu wollen. Denn sonst bekämen Schweini, Kroos & Co auch einen roten Kopf und müssen mit Fieber auflaufen – einzig die OSRAM AG dürfte es freuen.

Wie du siehst Uli, seit ihr zwar kein Punktelieferant für uns, aber in den letzten 1,5 Jahren immerhin ein gern gesehener Gast(-geber) geworden. Auf dass es so bleiben möge, denn wir sind bestens gerüstet. Ich lege mich jedenfalls fest und hoffe, dass ich dich ebenfalls überzeugen konnte: Die 3 Punkte bleiben in Dortmund!

P.S.: Ein ganz ehrlicher Dank, dass Ihr Marseille habt ausschalten können. Und eins noch: den großen Henkelpott kann man eh besser halten – ganz gleich, was sich Mou & Pep einfallen lassen. Die sind übrigens ausgewiesene Langschläfer…
In jedem Falle: Auf ein Wiedersehen am 12. Mai!


Dein Sebi
 

Montag, 27. Februar 2012

Montagskolumne: Ein König macht noch keinen Staat

Schaut man auf die Tabelle, so fällt die Gemeinsamkeit nicht gleich auf, aber doch sind sich der FC Bayern und Hertha BSC in einigen Punkten recht ähnlich.

Otto Rehhagel wurde zwar mitunter belächelt und für zu alt eingeschätzt, als er vor gut einer Woche bei der Hertha aus Berlin anheuerte. Nichtsdestotrotz sahen ihn viele als den Heilsbringer an, den die Hertha benötigt. Nach einem enttäuschenden 0:3 in Augsburg sieht die Welt nun wieder ganz anders aus.
Ähnlich, wenn auch mit einer anderen Zeitspanne versehen, ist dies der Fall beim FC Bayern und Jupp Heynckes. Uli Hoeneß sprach einst davon, dass der Rausschmiss von "Osram" Heynckes einer der größten Fehler seiner Karriere als Manager des FCB war. Vielleicht als Wiedergutmachung, aber vor allem aufgrund der glänzenden Ergebnisse von Bayern Leverkusen holte man ihn zurück. Nach der Inthronisierung Heynckes und der relativ guten Rückrunde wurden bei manchen Fans und Pressevertretern schon neue Allmachts- und Ära-Phantasien hervorgerufen. Teilweise auch gegründet auf den Aussagen nach dem all zu tollen Trainingslager. Zwar konnte man die „Negativserie“ mit einem 2:0 gegen Schalke stoppen, der Negativtrend hat aber noch kein Ende gefunden.

Doch was fehlt den beiden Teams, die vom Spielermaterial durchaus besser einzuschätzen sind, als ihr derzeitiges Auftreten und die Ligaplatzierungen erahnen lassen? Haben die Fans beider Vereine zu hohe Erwartungen? Nein, denn die Qualität ist hier durchaus vorhanden. Das ist der Unterschied zu Vereinen wie bspw. Köln. Dort ist der Anspruch seit jeher sehr hoch, die Qualität der Mannschaft aber eher gering, wie vor kurzem auch Lukas Podolski in der Zeitung mit dem großen B zu Protokoll gab.

Nein, bei den Bayern wie auch Hertha fehlt die mannschaftliche Geschlossenheit. Dazu braucht es ein verbindendes Element, das einzelne Spieler zusammenführt und, wenn nötig, im Spiel auch mal den Leitwolf gibt und seine Nebenmänner auf deren Fehler und Aufgaben hinweist. Seit dem Weggang von Mark van Bommel fehlt dieser „Leader-Typ“ gänzlich beim Rekordmeister. Es wurde die flache Hierarchie mit der Einsetzung von Philipp Lahm als Kapitän ausgerufen. Gerade in dieser schwierigen Phase wäre jetzt ein Typ gebraucht, der nicht ständig die Phrase drischt vom immer starken FC Bayern.
Bei der Hertha gestaltet sich dieses Problem nahezu gleich. Dort gibt es zwar noch Typen wie Mike Franz, Christian Lell oder auch Thomas Kraft. Während Franz jedoch den großteil seiner Hertha-Karriere auf der Bank und im Krankenbett zu verbringen scheint, sind Lell oder Kraft keine Leader. Mit Rehhagel hat die Hertha sicherlich einen erstklassigen Trainer geholt, der auch hohes Motivationspotential mitbringt, aber ob er eine Mannschaft schnell genug formen kann, damit sie noch den Abstieg verhindert, ist eine Frage, deren positive Beantwortung ich den Hertha-Fans wünsche, aber ob das tatsächlich möglich ist, muss man später sehen.
Was in München möglich ist, ist derzeit schwer vorauszusagen. Findet die Mannschaft wieder zusammen und wird Bastian Schweinsteiger schnell fit, so ist alles möglich. Jedoch ist es mehr als gefährlich sich jede Saison aufs neue nur von einem Spieler abhängig zu machen.

Wie es auch anders geht, zeigen derzeit Vereine wie der BVB. Auch ohne Mario Götze und dem Glanz, den man zu Beginn der Rückrunde ausstrahlte, gewinnen die Dortmunder ein Spiel nach dem anderen. Ein Ende ist nicht in Sicht. Grund hierfür ist sicherlich auch, dass der eigentliche Star und Leitwolf an der Außenlinie ist. Ein Trainer, der seine Spielerkarriere noch nicht lange hinter sich hat und seine Trainerkarriere als fließenden Übergang einleitete. Die Fähigkeit, seine Spieler mental zu erreichen, ist sicherlich als höher für den Erfolg der Mannschaft einzuschätzen, als das spielerischen Können eines Mario Götze.

Wieder zurück ist der FSV Mainz 05. Was sich schon in den letzten Spielen andeutete, wurde gegen den FCK besonders sichtbar. Hier wächst ein neues Team zusammen und Mohamed Zidan war der fehlende Teil in diesem Mannschaftspuzzle. Zidan, Szalai, Müller führten Kaiserslautern vor und Thomas Tuchel - für den im übrigen ähnliches gilt wie bei Jürgen Klopp - hatte durchaus noch Variationsmöglichkeiten mit Andreas Ivanschitz und Maxim Choup-Moting anzubieten. Wer weiß, was die Mainzer diese Saison noch erreichen können, aber mit dem Abstieg wird diese Mannschaft bald nichts mehr zu tun haben.

Ebenso wenig wie der 1. FC Nürnberg, wenn man die Leistung aus dem Bremen-Spiel auch nur teilweise konserviert. Vielleicht aber braucht der FCN auch jedes mal einen kleinen Stachel wie den von Tim Wiese, der in der B*** großkotzig ankündigte, Werder würde den Club mit 5:0 nach Hause schicken. Dass einem solche Aussagen wie ein Bumerang zurück ins Gesicht geschleudert werden, ist ja schon fast zu erwarten. Aber die Nürnberger waren wohl äußerst angefressen und spielten gegen die Werderaner großartig auf. 

Letztendlich bot sich dem Fussballfan - ob derzeit krisengeplagt oder nicht - ein tolles Bundesligawochenende, wie es schon eine Zeit lang nicht mehr da war.

(CL)