Montag, 20. Februar 2012

Montagskolumne: Der König ist tot, lang lebe der König!


Hinter uns liegt ein ereignisreiches Wochenende, auch abseits des Fußballplatzes. Am Freitag verkündet Christian Wulff seinen Rücktritt als Bundespräsident und am Samstag feiert ein Altmeister seine Rückkehr in die Bundesliga. „König“ Otto wird fortan an der Spree tätig sein und soll den Abstieg der alten Dame noch verhindern. Aber ob er tatsächlich der richtige Mann für die Hertha ist, wage ich noch zu bezweifeln. Immerhin sind seit seinem letzten Engagement in der Bundesliga zehn Jahre vergangen und Rehhagel hatte in seiner Karriere bisher auch recht wenig mit dem Abstiegskampf zu tun. Es wird sich es erst zeigen müssen, ob er in dieser Situation der Mannschaft geben kann was Skibbe ihr nicht geben konnte oder ob die Berliner Probleme nicht doch viel tiefer liegen. Wie sagt man so schön: der Fisch fängt am Kopf an zu stinken.

Nach 5 Spieltagen der Rückrunde ist es auch langsam an der Zeit, ein kleines Zwischenfazit zu ziehen. Es zeigen sich bereits klare Tendenzen für welche Mannschaften es am Ende der Saison wohin gehen könnte. Klar ist, die Bundesliga wird momentan von einem grauen Mittelmaß dominiert. Zwischen dem Kampf um den Europacup bzw. dem Abstiegskampf und dem Mittelfeld liegt ein relativ sicheres Punktepolster von sieben bzw. sechs Punkten. Besonders Hannover scheint in der derzeitigen Form schier nicht aufzuhalten zu sein auf dem Weg nach Europa. Allerdings zeigte Stuttgart ihnen auch auf, dass in der Defensive mehr Stabilität nötig sein wird, wenn sie sich oben festsetzen wollen und auch in der Euroleague die Reise weiter gehen soll. Denn nach Brügge warten noch Mannschaften von ganz anderem Kaliber auf die Niedersachsen.

Ein großes Kompliment muss man auch in diesen Tagen wieder in den Westen der Republik nach Dortmund und Mönchengladbach schicken. Sie haben ihre Siegesserien ausgebaut und konnten so auch vom Münchener Punkteverlust profitieren. Die Bayern müssen nun schauen, dass sie schnellstens wieder in die Spur finden, wenn sie in dieser Saison in Sachen Meisterschaft noch ein Wörtchen mitreden wollen. Die  beiden Borussias scheinen sich momentan nur selbst stoppen zu können. Während in München momentan über gute Leistungen nur geredet wird, geben Dortmund und Gladbach die Antwort auf dem Platz. Davon kann sich der FC Bayern ruhig mal eine Scheibe abschneiden! 

(ME)

Freitag, 17. Februar 2012

Schiedsrichterentscheidungen – Im Zweifel für die Fehlentscheidung.


Eine Welle der Empörung schwappt durch die Bundesliga und durch die Schiedsrichterriege des DFB. Karl-Hein-Rummenigge und Uli Hoeneß machen Fehlentscheidungen der Schiedsrichter für den Verlust der Tabellenspitze verantwortlich und gehen sogar noch weiter, indem sie den deutschen Schiedsrichtern unterstellen, bewusst gegen den FC Bayern zu pfeifen, um sich dem Ärger der Anhänger anderer Vereine zu entziehen.

Diese Diskussion an sich möchte ich hier gar nicht so weit beleuchten. Das hat der Baziblogger schon mit einem guten Beitrag gemacht. Nur eins: Es gab mitunter sehr fragwürdige Entscheidungen gegen den FC Bayern, jedoch konnte man als Fan das ein ums andere mal auch sehr froh sein, dass die Schiris in einigen Situationen Dinge übersahen, die andere in der Situation vielleicht gepfiffen hätten. Eine Seite, die ich bei solchen Fragen immer sehr gerne zu Rate ziehe ist wahretabelle.de. Dort wären nach Abwägung aller Fehlentscheidungen die Bayern sogar nur auf Platz 3 mit 2 Punkten weniger als bislang.

Viel interessanter fand ich jedoch diese Statistiken, die nicht den FC Bayern, sondern die gesamte Liga betreffen:

In der bisherigen Saison (Stand: 22. Spieltag) wurden 64 Treffer verweigert. Das macht 2,9 verweigerte Treffer pro Spieltag. In der ganzen letzten Saison lag dieser Wert bei 2,56 (87 verweigerte Treffer). Seitdem wahretabelle.de diese Statistik führt, ist der Wert kontinuierlich gestiegen (2007/2008: 73). Etwas deutlich wird dies noch bei den nicht gegebenen Elfmetern. Hier liegt der Wert derzeit bei 2,45 pro Spieltag (54 verweigerte Elfmeter nach 22 Spieltagen). In der Vorsaison wurden 66 Elfmeter verweigert und damit 1,94 pro Spieltag.

© commons.wikimedia.org/user: Darz Mol

Woran liegt es, dass solch essentielle Entscheidungen im Fussball immer öfter falsch getroffen werden? Ist am Ende vielleicht doch der Druck durch Anhänger, die sonst nicht viel im Leben haben als ihren Verein, ausschlaggebend. Dass Telefonterror bei einzelnen Schiedsrichtern betrieben wird ist kein Hirngespinste von Hoeneß und co., sondern leider oft beschriebener Alltag. Gewalt und Drohung gegen Schiedsrichter auf und neben dem Platz gehört zum Fussballgeschäft mittlerweile schon dazu. Nicht ohne weiteres werden Aktionen wie zuletzt in der Hauptstadt initiiert ( http://www.morgenpost.de/sport/article1802599/Berliner-Schiedsrichter-pfeifen-gegen-Gewalt.html ), die an den Fair Play Gedanken erinnern sollen.

Die Belastung für die Schiedsrichter durch aggressive Fans und Spieler ist also vorhanden, aber nicht der einzige Grund für mittlerweile fragwürdige Entscheidungen.
Auch fehlt eine klare Linie, die zum Pfiff führt. Es gibt zwar ein einheitliches Regelwerk, jedoch ist auch im Fussball noch immer viel Auslegungssache. Leider findet die altbekannte Regel: „Im Zweifel für den Angreifer.“ auch kaum noch Anwendung. Besonders betroffen sind davon Stürmer wie bspw. Mario Gomez, die immer nah am Abseits agieren und die Schiedsrichter oft zu schwierigen Entscheidungen zwingen.

Hier würden solche Entwicklungen wie der Videobeweis sicherlich Abhilfe schaffen. Die Diskussionen diesbezüglich wurden oft geführt. Die Meinungen dazu gehen bei den Fans auseinander.
Klar ist jedoch, dass sich spielentscheidende Fehlentscheidungen häufen und dies ein Problem ist, dem sich die Liga und der DFB nicht länger verschließen können. Hier muss reagiert werden.

(CL)

Dienstag, 14. Februar 2012

Montagskolumne: Wie viel Einfluss können Trainer und Sportmanager haben?

Ein Bundesligaspieltag, wie ihn viele erwartet haben. Bayern gewinnt nicht überraschend gegen K’lautern, Hamburg etwas glücklich gegen Köln. 96 spielt 1:1 gegen Mainz mit einem mehr als glücklichen Ausgleich in den letzten Minuten, auch wenn das Spiel bis dahin relativ ausgeglichen war. Dies sind Beispiele, wie normal der Spieltag war. Welche Fragen sich aber an Hand der Beispiele des 5 zu 0 Stuttgarts gegen Berlin und des doch sehr klaren 3:0 Gladbachs gegen Schalke stellten, sind die nach dem Einfluss der Trainer und Sportmanager.

Gladbach überrascht die gesamte Liga noch mehr, als es 96 in der vorigen Saison getan hat. Beide sind kurz vor ihrem Durchmarsch in die europäischen Fußballsphären fast abgestiegen. Eine beeindruckende Leistung der gesamten Vereine, welche nicht nur den Fußballern zuzuordnen ist. Auch wenn man es oftmals nicht glauben möchte, es scheint so, als hätten der Sportmanager und der Trainer mehr Einfluss, als dass dies bei der individuellen Klasse der Spieler der Fall sein sollte. Bei Gladbach ist es abzuwarten, inwieweit sie den Erfolg und den Glanz der jetzigen Spielzeit erhalten können. Aber anscheinend hat Lucien Favre einiges richtig gemacht, dar es keinen Kompletttausch der Mannschaft gegeben hat. 96 hat durch sehr clevere Transferpolitik das Niveau der letzten Saison halten können, zumindest sich in der oberen Tabellenhälfte etablieren können.
Ein negativ Beispiel ist der Hauptstadtverein Hertha BSC. Eine katastrophale Transferpolitik gepaart mit schlechten Sportmanagement, welches schon unter D. Hoeneß anfing, findet unter Preetz seinen traurigen Höhepunkt. So viele Trainer und Konzeptwechsel in so kurzer Zeit, obwohl man durchaus kompetente Kandidaten hatte, hat eigentlich nur einen Abstieg verdient. Dieser wird nur nicht eintreten, weil mit Augsburg und Freiburg zwei Vereine in der Liga spielen, die es nicht in Ansätzen verdient haben und daher zu Recht absteigen werden. Der einzige Vorteil Herthas ist, dass sie finanziell besser ausgestattet sind, als die beiden genannten Vereine.

(IS)

Montag, 6. Februar 2012

Montagskolumne: Westfälische Innovation erfolgreicher als bayerisches Feldhandfußball

Auf dem Weg zur Dortmunder Titelverteidigung hat der 1. FC Nürnberg seinen Teil erfolgreich dazu beigetragen. Dieter Hecking sagte in der Pressekonferenz des Spiels Nürnberg – BVB voraus, dass dieses Spiel eh nur der Gast aus Dortmund gewinnen werden könne und wieder Meister wird! Diese Selbstverständlichkeit und vor allem die Präzision in der Umsetzung verdienen Respekt. Gekonnt verschießen Heckings Jungs die besten Einschussmöglichkeiten und protestieren lediglich mit angezogener Handbremse beim nicht gegebenen Tor von Simmons. Erstaunlicherweise blieben die Rufe nach der Torkamera erstaunlich leise. Vermutlich sind sie einfach nur ob der Kälte erstarrt…

Am Wochenende war auch mal wieder Zeit für eine Geschichte, die nur der Fußball schreiben kann. Die Akteure waren jene zwei Stürmer der Dortmunder Borussia, bei denen bis zur letzten Sekunde des Wintertransferfensters nicht klar war, wer das letzte Mal die heiße Dusche im Signal Iduna Park hat genießen dürfen. Aus alter Verbundenheit ließ es sich Mohammed Zidan nicht nehmen, die Führung seines alten neuen Arbeitgebers ausgerechnet gegen den ehemaligen Erzrivalen zu erzielen. Tags zuvor bereits war es Lucas Barrios, der rechtzeitig das Dortmunder Abstellgleis verlassen hat und den Auswärtssieg in Nürnberg perfekt machte. Es darf spekuliert werden, ob er auch seinem möglichen neuen Verein zum Sieg gegen Gladbach verholfen können. Doch noch spannender ist das Gerücht, dass Christian Nerlinger für den Bereich „Transfergeschick“ zum Hospitieren am Borsigplatz vorbeischauen will. War es früher die Taktik der Bayern, ihre Gegner durch das Abwerben der Leistungsträger zu schwächen, so verkauft der BVB seine Stürmer, um die Konkurrenz stolpern zu lassen. Neue Wege gehen!

Das dachte sich vermutlich auch der FC Bayern und versuchte es mit einer Spielweise, die vor einer Woche noch bei der Handball EM erfolgreich praktiziert wurde. Allein es war nicht erfolgreich. Möglicherweise liegt es auch gar nicht am System, sondern am Personal. Langsam drängt sich der Eindruck auf, dass Robbery das Überraschungsmoment nicht mehr auf ihrer Seite haben. Robben bezeichnete es übrigens als „fehlende Schärfe“. Somit blieben sie auch gegen einen Gegner blass, dessen Defensive in dieser Saison alles andere als ein Prunkstück ist. Auch Thomas Müller lässt die Leichtigkeit und Kaltschnäuzigkeit früherer Tage vermissen. Insofern sollte das Tor von Olic einen Fingerzeig darstellen. Der Kroate steht für das Kämpfen, die aufopferungsvolle Arbeit und nicht zuletzt dafür, (neue) weite Wege zu gehen. Wenn es dieses Impulses bedarf, dann darf Heynckes auch nicht vor den Namen der einst so gefürchteten Flügelachse halt machen. Eine Chance hat Olic allemal verdient!

Welch gleitender Übergang zum Thema Verdienst. Ein anderes Berufsfeld steht dieser Tage im Blickpunkt. Capitano zu sein, ist schwer. Man frage bei Schettino oder Ballack nach! Und man wird den Eindruck nicht los, dass es besser läuft, wenn sie die Hände vom Steuerrad weggnehmen. Es scheint, als hätten beide das würdige Abtreten nicht gelernt. Doch Ballack ist nun zum zweiten Mal im Begriff, dieses Unvermögen unter Beweis zu stellen. Hat er das etwa verdient? Nein, aber auch der Abschied aus Leverkusen mutet nicht sonderlich geschickt an.

Der weitere Verlauf verspricht in jeder Hinsicht spannend zu werden. Die Akte Ballack wird so schnell sicher nicht geschlossen. Fußballerisch gilt es für nächste Woche unter anderem, 6 Unentschieden zu überbieten. Neben der Viertelfinalrunde im DFB-Pokal erwartet uns das Topspiel zwischen Schalke und Gladbach, während Kaiserslautern die ganz undankbare Aufgabe hat, nach München fahren zu müssen. Denn in solchen Situationen zeigt sich der FCB für gewöhnlich besonders torhungrig. Ach ja, wem das alles noch nicht reicht: das Wetter soll auch in den nächste Tagen so bleiben, so dass sich vortrefflich darüber ausgelassen werden kann, ab wann Leistungssport an der frischen Luft gefährlich sei und welche Maßnahmen im Vorfeld getroffen werden müssen.

(SS)

Dienstag, 31. Januar 2012

Die Montagskolumne: Tabellenspiele


In spätestens drei Wochen ist der vergangene Spieltag in Vergessenheit geraten und allein die reinen Ergebnisse werden Auskunft geben wie der Spieltag ausgegangen ist. Jedoch gibt das Ergebnis allein den Spieltag nie korrekt wieder, weshalb hier nun die Souveränitätstabelle (Patentantrag läuft) zeigen soll wie der Spieltag wirklich verlaufen ist.
Hierbei werden die Sieger der einzelnen Spiele in einer Tabelle sortiert, da es wohl unsinnig wäre zu beurteilen wie souverän ein Verein verloren hat. Darunter ist in einer kurzen Erklärung zu lesen warum der Verein meiner Meinung nach diesen Platz verdient.


1. FsV Mainz 05 [Mainz-Freiburg3:1 (3:0)]
Nach nur 18 Minuten war diese Partie entschieden. Mainz überrollte die Freiburger und verwaltete danach diesen Sieg. Auch der Treffer zum 3:1 konnte daran nichts mehr ändern.

2. Borussia Dortmund [Dortmund-Hoffenheim3:1 (2:0)]
Die Borussia aus Dortmund ging ohne große Gegenwehr mit 3:0 in Front und konnte danach einen Gang herunter schalten. Dadurch kamen die Hoffenheimer noch zum 3:1-Anschlusstreffer.

3. Borussia Mönchengladbach [Stuttgart-M'gladbach0:3 (0:1)]
Der VfB Stuttgart schaffte es über 90 Minuten nicht Gefahr auszustrahlen und geriet durch ein vermeidbares Gegentor in Rückstand. Ohne große Probleme konnte Mönchengladbach diese Partie danach für sich entscheiden und den Spielstand noch auf 3:0 erhöhen.

4. Schalke 04 [Köln-Schalke1:4 (1:0)]
Die Schalker mussten früh im Spiel ein Gegentor hinnehmen, kamen aber beeindruckend mit vier Toren zurück auf die Siegerstraße. Ein solches Comeback trotz großer Verletzungssorgen kann alle Schalker auf eine sehr gute Rückrunde hoffen lassen.

5. FC Bayern München [München-Wolfsburg2:0 (0:0)]
Von einem unbedingten Willen zur Wiedergutmachung war beim FC Bayern lange nichts zu erkennen, man kam gegen den VfL Wolfsburg nicht zu klaren Torchancen. Dennoch gelang am Ende ein 2:0-Erfolg, der jedoch nicht nach einem Tabellenführer aussah.

6. Hamburger SV [Hertha BSC-Hamburg1:2 (0:2)]
Der HSV kam nicht zu besonders vielen Chancen, aber er nutzte sie. So muss man agieren wenn man im Tabellenkeller in Bedrängnis ist, die Hertha konnte diese recht souveräne Leistung erst spät im Spiel durch den Anschlusstreffer etwas schmälern.

7. Hannover 96 [Hannover-Nürnberg1:0 (1:0)]
Schon am Freitag Abend konnte Hannover endlich wieder einen Sieg einfahren und das auch zu Recht wenn man nur die erste Halbzeit betrachtet. In der zweiten Halbzeit spielte dann allerdings nur noch der Club, so dass man über die drei Punkte sehr froh sein konnte. Für das nächste Spiel sollte das Ziel sein die eigene Stärke besser auf beide Halbzeiten zu verteilen.

8. [Bremen-Leverkusen1:1 (1:0)]
Erst sah es so aus als könne sich Bremen auf seine Heimstärke verlassen, musste schlussendlich aber doch einen Punkt an Leverkusen abgeben. Hier konnte keine der beiden Mannschaften wirklich überzeugen.
9. [Augsburg-Kaiserslautern2:2 (1:1)]
Augsburg und Kaiserslautern waren je ein Mal in Führung, trotzdem sah diese Partie keinen Gewinner. Souverän sieht anders aus.

Mainz schafft hier zum ersten Mal seit langer Zeit wieder die Tabellenführung. Es bleibt abzuwarten ob die Leistungen der Mannschaften auch kommendes Wochenende ihre Platzierungen rechtfertigen werden.

(HR)

Montag, 23. Januar 2012

Die Montagskolumne: Schönheitschirurgie, ein Déjà-vu und das große Gähnen

Déjà-vu-Erlebnisse, Brüche im Gesicht, und Langeweile am Samstag Mittag sind Dinge, die man nicht mit der Bundesliga in Verbindung bringt, und doch waren das die prägenden Eindrücke des ersten Spieltags der Rückrunde.

Das Déjà-vu-Erlebnis hatte Manuel Neuer. Wie schon im Hinspiel hatte er auch dieses mal einen riesigen Anteil daran, dass Gladbach auf der Siegerstraße landet und als einer dieser kleinen großen Vereine da oben mitkicken kann.

Ein anderer Trend, der sich gerade in der Liga abzeichnet, scheint wohl die Gesichtsfraktur zu sein. Ein paar Trendsetter haben wir ja in der Hinrunde schon beobachten dürfen. In der Rückrunde wollen nun alle mitmachen. Sebastian Prödl wurde von Dorge Kouemaha sofort mit Nasenbein- und Kieferbruch ins Krankenhaus getreten. Aus Solidarität hat Kaiserslautern Kouemaha heute allerdings auch für 6 Wochen als verletzt erklärt. Es schnuppert nach Fair Play-Auszeichnung. Etwas anders geht man da in Schalke vor. Da die Gegner nicht gewillt sind, den Königsblauen ein amtliches Veilchen zu verpassen, machen das die Schalker einfach selbst. Marco Höger streckte seinen Teamkameraden Benedikt Höwedes mit einer gekonnten Kopfnuss nieder und sorgte für einen Jochbeinbruch, wie es Joep Matip in der Hinrunde auch schon bei Jan-Klaas Huntelaar praktizierte. Hier die Gesichtsgeschädigten der Saison:

  • Neven Subotic (Mittelgesichtsbruch)
  • Sven Bender (doppelter Kieferbruch)
  • Sebastian Kehl (Prellung)
  • Michael Ballack (Nasenbruch)
  • Gojko Kacar (Nasenbeinbruch)
  • Sebastian Prödl (Nasenbein – und Kieferbruch)
  • Benedikt Höwedes (Jochbeinbruch)
  • J.-K. Huntelaar (Nasenbeinbruch)

Eine auffällige Häufung gibt es hierbei im Pott. Genauer gesagt bei den Erzfeinden Dortmund und Schalke. Man wird doch nicht etwa neben dem Bundesliga-Meistertitel auch noch andere Meisterschaften austragen!? Wie dem auch sei. An dieser Stelle allen Wehweh-Geplagten des Wochenendes eine gute Besserung von Bertis Erben.

Wenn man sich allerdings mit solchen Nebenschauplätzen auseinandersetzen kann, dann heißt es, dass sonst nicht viel passiert ist. Gut, interessante Partien gab es durchaus am Freitag und Sonntag zu sehen. Aber der Samstag-Nachmittag als Inbegriff des Fussball-Wochenendes bot eher Magerkost denn attraktiven Rückrundenstart. Magere 8 Tore in 6 Partien und etwas weniger Fussballkunst als erwartet. Schön jedoch, dass Freiburg mit neuem Trainer gleich Punkten konnte und die Ironie des Schicksals dieses mal in Wolfsburg auf den Plan trat, als dem VfL Shopping 08 ausgerechnet ein Spieler der eigenen Jugend den Sieg gegen Köln sicherte. Michael Skibbe hingegen konnte mit seinem Team keinen erfolgreichen Start feiern und schenkte Nürnberg mit einer müden Leistung endlich wieder ein Erfolgserlebnis. Einzig die neuen alten Titelaspiranten Schalke und Dortmund zeigten wirklich herausragenden Fussball am Wochenende und bescheren der Bundesliga hoffentlich mal wieder einen Vierkampf um den Titel. Bis dahin ist allerdings noch ein langer Weg und erstmal zählt nur eins:

HAUPTSACHE WIEDER FUSSBALL!

(CL)

Samstag, 3. Dezember 2011

Die Bundesliga-Konferenz: Fluch oder Segen?


Seit der Einführung von Premiere hat sich Fußball-Deutschland an eine Neuerung gewöhnt, die das Erlebnis Fußball für die Zuschauer tiefgreifend verändert hat: Die Bundesliga-Konferenz. War man früher noch froh wenn eine Partie nicht mit einem torlosen Unentschieden endete, so hat sich der Zuschauer von heute schon daran gewöhnt, dass nach ein paar torlosen Minuten einfach auf einen anderen Fußballplatz umgeschaltet wird. Da der Zuschauer von heute durch Kino und Fernsehen an ständige Action gewöhnt ist, will man ihm auf diese Art die Bundesliga actionreicher präsentieren. Doch ist das wirklich die Art von Übertragung die den Fans am meisten bietet?


Wer vor Premiere etwas von der Bundesliga sehen wollte hat, je nach Generation, auf ran oder die abendliche Sportschau gewartet. Dort wurden alle Partien kompakt präsentiert, so dass man einen Überblick über die Höhepunkte aller Begegnungen erhalten hat und am Montag mit den Kollegen oder auf dem Schulhof über die wichtigsten Geschehnisse und Schiedsrichterentscheidungen diskutieren konnte. Das war eine gute Lösung, schließlich konnte man nicht gleichzeitig in allen Stadien sein oder auf mehreren Fernsehern alle Spiele gleichzeitig schauen. Durch die Übertragung im Bezahlfernsehen war die zweite Möglichkeit sogar noch utopischer geworden.
Dann wurde die Bundesliga-Konferenz eingeführt. Der Zuschauer hatte das Gefühl ganz nah an allen Spielen dran zu sein und endlich nichts mehr zu verpassen. Schließlich konnte er ab jetzt ja alle Spiele „gleichzeitig“ verfolgen. Und durch Sportsbars und die langsam steigende Akzeptanz des Bezahlfernsehens gewöhnte sich der Zuschauer an diese Art der Übertragung. Doch hatte man dadurch nun etwas gewonnen oder verloren?

Für Sportschau und Konferenz investiert man ungefähr gleich viel Zeit, von der man am Wochenende nicht unbegrenzt viel zur Verfügung hat. Während die Sportschau allerdings für alle Spiele in etwa gleich viel Zeit aufwendet, bemerkt man in der Konferenz ein Ungleichgewicht in der Berichterstattung. Wenn man nicht gerade Fan von Bayern München ist muss man darauf hoffen, dass es beim Spiel der eigenen Mannschaft viele Tore oder Karten gibt. Ansonsten werden unspektakuläre Partien weitestgehend ignoriert. Wenn man außerdem nach der Konferenz noch die Sportschau sieht stellt man nicht selten fest, dass einem viele Ereignisse während der Konferenz entgangen sind. Denn in der Sportschau hat der Kommentator noch die Möglichkeit Dinge aufzuzeigen, die das Spiel stark beeinflusst haben, aber als sie passierten noch nicht als so wichtig erschienen.
Die kleinen Bausteine sind im Fußball sehr wichtig. Wenn man sieht wie oft nur ein Tor das Spiel entscheidet, erkennt man wie wichtig es ist, nicht nur das entscheidende Tor in der Konferenz gesehen zu haben, sondern auch von der gelben Karte des Innenverteidigers zu wissen, der deshalb den Stürmer vor dem Tor nur halbherzig attackierte. Oder den kämpferischen Einsatz eines Verteidigers der Gewinnermannschaft zwei Minuten vor dem Siegtor gesehen zu haben, der damit eine Ecke verhinderte und das Publikum dazu brachte die Mannschaft noch einmal mit voller Kraft anzufeuern.



Wann immer ich kann versuche ich die Spiele meiner Mannschaft komplett live zu sehen. Manchmal ärgere ich mich nach einem langweiligen 0:0 über die verschwendete Zeit. Aber meistens kann ich mich auf das Spiel einlassen und seine Aufs und Abs genießen. Ein einziger Zweikampf kann die Stimmung im Stadion kippen, ein gehaltener Elfmeter eine vorher lustlos umherschleichende Truppe wieder in Schwung bringen oder eine Auswechslung den Rhythmus der ganzen Mannschaft verändern. Und nach manchen Spielen erinnere ich mich eher an eine grandiose Ballstafette als an die Tore meines Teams.

Die Reihenfolge des besten Fußballerlebnisses ist für mich eindeutig: Der Besuch im Stadion ist natürlich das Optimum, danach folgt für mich die Liveübertragung. Nicht jeder kann am Nachmittag ein Spiel komplett schauen und dann am Abend noch die Sportschau gucken, doch wenn ich mich dann zwischen Sportschau und Konferenz entscheiden müsste, würde ich immer die Sportschau wählen.

Die Konferenz ist das Fastfood des Fußballs, gelegentlich ganz reizvoll, aber auf Dauer nicht gut für den Fußballfan.