Samstag, 30. Juni 2012

Die richtigen Worte zur richtigen Zeit (Offener Brief von Arnd Zeigler)

Seit langem mal wieder ein Post von uns - und dann haben wir ihn nicht selber geschrieben. Aber das, was Arnd Zeigler hier sagt, spricht uns einigen von uns(!) aus dem Herzen und muss Verbreitung finden:

"Wenn ich mal eben offen reden darf: Dieses unglaubliche Rumgeflenne überall über die Niederlage gegen Italien ist erbärmlich und unwürdig.
Wer jetzt so tut als seien die deutschen Spieler nach der ersten Niederlage nach 16 Siegen hintereinander (oder wieviele waren es?) plötzlich alles Vollpfosten, Totalversager und Nullen und ihr Trainer ein Nichtskönner, der hat den Fußball nicht mal im Ansatz verstanden.

Wer es nach Siegen gegen Portugal, Holland, Dänemark und Griechenland nicht ertragen und akzeptieren kann, dass andere an manchen Tagen vielleicht einfach mal besser sind, der sollte möglicherweise Sport ganz allgemein meiden.

Wer jetzt ganz genau weiß, dass die Wechsel alle verkehrt waren, hat das möglicherweise schon nach dem Griechenland-Spiel posten wollen, aber da haben wir ja dann dummerweise gewonnen.

Wer jetzt Spieler wie Schweinsteiger, Gomez oder Lahm hinstellt wie hoffnungslose Nulpen, die einfach zu schlecht sind - wer nicht ein Grundmaß an Respekt dafür aufbringen kann, wie ein Sportler (= Mensch) funktioniert, der liebt in Wirklichkeit nicht den Fußball, sondern setzt sich bräsig vor die Glotze und will ein möglichst gutes Preis-Leistungsverhältnis, und so einen blöden Europameistertitel kann man doch schon mal voraussetzen.
Das Gerede von unserer angeblich „zu netten“ Elf und den fehlenden Schweinehunden ist eine populistische Scheißdebatte ohne jeden Nährwert. An irgendwas muss es jetzt liegen, weil es so schwer zu ertragen ist, dass da einfach jemand an einem Abend ganz banal etwas besser Fußball gespielt hat. Und deshalb werden jetzt solche Kackthesen an den Haaren herbeigezogen.

Hätte Deutschland gegen Italien verloren, wenn eine der großen Chancen der Anfangsviertelstunde genutzt worden wäre? Ziemlich sicher nicht. Aber so geht Hummels Schuss nach fünf Minuten eben NICHT rein und die italienische Hintermannschaft murmelt sich den Ball fünf Zentimeter neben das eigene Tor, und schon stellt man hilf- und phantasielos Dinge in Frage, die über Jahre großartig waren.

Nach 9 Punkten in der Todesgruppe, übrigens ausnahmslos gegen Teams, in denen ausgemachte Schweinehunde standen (Pepe! Van Bommel! Agger!), waren unsere Jungs noch nicht zu nett. Nun sind sie es plötzlich.

Die Italiener wiederum, die bei einem minimal anderen Spielverlauf gegen uns möglicherweise ausgeschieden wären, wären in diesem Fall wahrscheinlich als überalterte, fußballerisch limitierte Elf abgekanzelt worden, die gegen eine moderne deutsche Elf verliert, die aufgrund ihrer technischen Überlegenheit ohne Fouls auskommt. Wäre so gekommen, glaubt mir. Und deshalb ist so eine Diskussion Kinderkram und reines Medien-Tamtam. Und hochgradig albern.

Und heute nun ballert also unvermeidbarerweise die BILD noch mal ordentlich dazwischen und füttert die Diskussionen am Stammtisch und anderswo mit Schlagzeilen wie: "BILD rechnet ab: Schweini wird nie ein Chef - Gomez hat nur die Haare schön - Lahm labert wie ein Politiker - Luxus-Versager - SO verhätschelt der DFB die Stars - Das Schreiben die BILD-Leser: Fan-Wut auf Nationalelf". Das geht jetzt wieder, weil Robert Enke schon lange genug tot ist.
Es ist wirklich interessant zu beobachten, dass es für ein Abschneiden wie diesmal bei der BILD (und überraschenderweise auch bei vielen Fußball-Konsumenten) gar keine Kategorie mehr gibt. Es gibt nur "Europameister" oder "Vollversager". Die merken gar nicht, dass Deutschland vorher Portugal, Holland, Dänemark und die Griechen geschlagen hat, mit zum Teil phantastischem Fußball. Und gegen Italien nicht sang- und klanglos eingegangen ist und deklassiert wurde, sondern durch zwei Abwehrfehler gegen einen an diesem Tag einfach starken Gegner verloren hat, der im Gegensatz zu uns seine Chancen verwertet hat.

Das alles rechtfertigt jetzt scheinbar einen Frontalangriff auf die Würde der Spieler. 2004 haben wir gegen Tschechiens B-Mannschaft verloren, gegen Lettland unentschieden gespielt und sind sieglos in der EM-Vorrunde gescheitert. Unsere Mannschaft diesmal wird von der BILD exakt genauso behandelt wie die Mannschaft damals. Und wir leben jetzt scheinbar in einer Zeit, wo zweite, dritte oder vierte Plätze bei Weltklasse-Turnieren nicht mehr ausreichen, um das Abschneiden positiv einzuordnen. Ich glaube, wenn man die Schlagzeilen der BILD in England, Holland, Frankreich oder Argentinien liest, lacht man sich tot über die Art und Weise, wie hier mit der Leistung der deutschen Elf umgegangen wird.

Sehr komisch ist auch, dass als purer, mechanischer Akt der Einfallslosigkeit mit einer Trainerdiskussion begonnen wird. Unsere Pflichtspiel-Bilanz vor dem unglücklichen EM-Aus:

4:2 gegen Griechenland
2:1 gegen Dänemark
2:1 gegen Holland
1:0 gegen Portugal
3:1 gegen Belgien
3:1 in der Türkei
6:2 gegen Österreich
3:1 in Aserbeidschan
2:1 in Österreich
4:0 gegen Kasachstan
3:0 in Kasachstan
3:0 gegen die Türkei
6:1 gegen Aserbeidschan
1:0 in Belgien.

Vierzehn Siege hintereinander. Davor das Spiel um Platz 3 bei der WM, 3:2 gegen Uruguay. Davor das WM-Aus gegen Spanien, knapp mit 0:1, und davor: 4:0 gegen Argentinien, 4:1 gegen England und so weiter und so fort. Das ist Joachim Löws Arbeitsnachweis und Bilanz. Dass jetzt ernsthaft über sein Schicksal als Bundestrainer diskutiert wird, ist eigentlich sehr komisch, wenn es nicht so traurig wäre.

Ihr, die ihr jetzt alles so furchtbar und so peinlich und so vorhersehbar findet, was da gegen Italien passiert ist: Was würdet ihr tun, wäret ihr Fans des Karlsruher SC oder von Magdeburg oder von Preußen Münster? Euch Woche für Woche die Pulsadern aufschneiden, weil eure Lieblingsspieler manchmal schlecht spielen? Und sogar wichtige Spiele verliert?

Ich finde Facebook in diesen Tagen ganz, ganz eklig. Und wenn ich mir vorstelle, wie ein scheinbar gar nicht mal so kleiner Teil meiner Mit-Fans im Stadion zu ticken scheint, fröstelt es mich."


(Quelle: https://www.facebook.com/permalink.php?story_fbid=10151000089867943&id=273426262942 )

Dienstag, 15. Mai 2012

Pfeifende Pfeifen und randalierende Rüpel

Der Fußball entlockt dem Fan die verschiedensten Emotionen: Eine Meisterschaft kann ein persönliches Jahr voller Verluste und Niederlagen vergessen machen, ein Abstieg alles Positive auf der Welt überschatten. Daher ist es normal und auch gewollt, dass im Stadion die ganze Bandbreite der Emotionen durch das Rund schwappen kann. Aber auffällig ist hier in letzter Zeit auch wie dabei anscheinend immer öfter der Sinn für angemessenes Verhalten vor dem Stadion an der Eingangskontrolle abgelegt wird.

Nicht ganz neu ist, dass schlechte Leistungen der Männer auf dem Feld mit Pfiffen bedacht werden. Je nach Verein schwankt die Bereitschaft zu pfeifen und auch die Intensität der Pfiffe. Jedoch hat sich in den letzten Jahren besonders das Pfeifen gegen ehemalige Spieler des eigenen Vereins enorm gesteigert.
In manchen Fällen kann man den Fan verstehen. Sein Lieblingsspieler hat nach wochenlangen Liebesbekundungen an seinen Verein doch den Wechsel zum Erzrivalen bekannt gegeben. Oder der Spieler, der jahrelang von den Kollegen mehr schlecht als recht mitgezogen wurde wechselt nach einer guten Saison zu einem anderen Verein. Hier ist ein gewisser Unmut verständlich und man kann dem Fan kaum verübeln, dass er beim nächsten Wiedersehen etwas Nachtragend ist.

Anders liegt der Fall für mich jedoch bei normalen Vereinswechseln. Besonders missfallen haben mir hier zwei Situationen am 28. Spieltag. Beim Spiel von Mönchengladbach in Hannover wurde Mike Hanke mit Pfiffen bedacht, zur gleichen Zeit geschah dies auch mit Chinedu Obasi beim Spiel von Schalke in Hoffenheim.
Bei Mike Hanke war diese Reaktion der Fans besonders verwunderlich, da er in Hannover weggeschickt wurde und damals zu einem fast sicheren Absteiger wechselte. Woher hier also ein Groll gegen den Spieler stammen sollte ist nur schwer zu begreifen.
Aber die Gladbacher kann ich hier auch nicht unerwähnt lassen, die seit seinem Wechsel an die Weser jedes Jahr auf ein neues mit lautstarkem Pfeifen auf jeden Ballkontakt von Marko Marin reagieren. Dabei sollte man ihm dankbar sein, dass man dank seines Transfererlöses Geld in einen Marco Reus investieren konnte. Und auch im Fußball sollte es möglich sein einen etwas unsauber geführten Transfer irgendwann ruhen zu lassen.

Bei einer anderen Erscheinung sind Fans aus Berlin und Frankfurt die Vorreiter. Anstatt den Platz zu stürmen um mit ihren Fans eine erfolgreiche Saison zu feiern suchten sie den Weg auf den Platz um ihre Mannschaft über das Feld zu jagen. Solche Szenen wurden danach scharf verurteilt und sollten in dieser Form eigentlich nie wieder auftauchen. Jedoch ist es nur der schnellen Reaktion des Ordnungsdienstes und der Polizei zu verdanken, dass genau dies nicht in in Karlsruhe nach dem Abstieg des KSC in die dritte Liga erneut geschehen ist. Die aus dem Fanblock stürmenden Fans wurden sofort von ebenfalls heranstürmender Polizei zurückgedrängt. Damit blieben dem Publikum die schon bekannten Jagdszenen erspart. 
Nun bleibt abzuwarten welche Reaktionen die Fans von Hertha BSC zeigen werden falls das Abstiegsgespenst sich im Rückspiel der Relegation Morgen nicht vertreiben lässt. Rauchbomben wie im Fall Köln wären wohl noch eine der harmloseren Möglichkeiten.

Die Kölner haben aber dafür in dieser Saison dem Verhalten ausserhalb des Stadions die Krone aufgesetzt. Die Mannschaft wurde nach Niederlagen verfolgt oder am nächsten Tag am Trainingsplatz zur Rede gestellt. Begleitende Polizeikräfte wurden zur Regel statt zur Ausnahme, ein Spaziergang der Mannschaft im Park mit einem Polizeiwagen im Schlepptau löste irgendwann nur noch ein Kopfschüteln aus. Aber am Ende der Saison sogar die Spieler nachts in ihrem zu Hause aufsuchen zu wollen um sie zur Rede zu stellen geht eindeutig zu weit, die Familien der Spieler auf diese Weise zu verstören ist unverantwortlich.
Der Vorstand beim 1. FC Köln ist inzwischen wieder besetzt und kann den sportlichen Abstieg nutzen um sich neu aufzustellen. Vielleicht sollte die Fanszene in Köln nach dem Ausschluss der Wilden Horde über Ähnliches nachdenken.

Der Fußball hat über die Jahre einige Entwicklungen zum Negativen erleben müssen, aber immer wieder die Kurve bekommen. Man kann also wohl darauf hoffen, dass die Fanszene genug Kraft hat um solche Auswüchse mit der Zeit wieder aus den Stadien verschwinden zu lassen.

Montag, 7. Mai 2012

Montagskolumne: Antrag auf Gerechtigkeit


Die 48. Fußballbundesliga-Saison ist Geschichte – und doch noch immer nicht ganz vorbei. Vor dem letzten Spieltag waren die ersten vier Plätze vergeben. Ebenso stand fest, dass Kaiserslautern die rote Laterne bis zum Ende würde tragen müssen. Und das gelang ihnen auch in Hannover wieder eindrucksvoll… Aber wenn uns die Pfälzer schon das Licht spenden, werfen wir noch einmal einen Blick in den Keller.
Mit der Renaissance der Relegation vor 4 Jahren gibt es auch nach Ende der regulären Saison noch einmal Grund für Spannung. Wie dicht Freud und Leid beieinander liegen können, hat Gladbach letzte bzw. diese Saison gezeigt. Nun gibt’s Europapokal statt dem Erzgebirgsstadion in Aue. So schnell kann es gehen. „Siehst Du Hertha, so wird es gemacht!“ . Damit nun zum Tagesgeschäft. Ab Donnerstag müsses sich jedenfalls die Berliner erst einmal beweisen um dem Abstieg auch wirklich zu entgehen.

Doch es stellt sich die Frage, mit welcher Berechtigung sie dies überhaupt tun dürfen. Etwa weil Michael Preetz seinem Ex-Trainer Markus Babbel schon seit Wochen ganz ungeniert hinterher weint. Oder weil es Otto Rehhagel geschafft hat, das Team noch erfolgloser spielen zu lassen als sie es unter Michael Skibbe taten? Zweifellos verdient beides Anerkennung. Bemerkenswert, wie sie sich mit ihren eigenen (stumpfen) Waffen haben selbst schlagen können. Doch mache das mal einer den Kölnern klar. Solche Probleme kennen die gar nicht. Stattdessen bleiben sie sich stets treu und suchen den neuen Präsidenten gar dem Namen nach aus. Ein Spinner beim FC – der Name scheint Programm. Aber im Ernst: Nicht nur jener Unterhaltungswert, sondern auch die in der Saison gezeigten Leistungen waren für mich insgesamt ansprechender als die der Berliner – wenngleich der fest eingeplante Sieg gegen die Bayern am Wochenende sehr naiv war. Immerhin dokumentiert es mal wieder Spaßfaktor. Und noch ein Grund, mit dem Berlin seine Bundesligazugehörigkeit verwirkt hat: die Tatsache, dass das Olympiastadion bei einem solch wichtigen Spiel nicht ausverkauft war und die Stimmung laut Sky-Kommentator „mittelmäßig“ war. Nein, einen solchen Hauptstadtklub hat die Bundesliga nicht nötig.

Wie es in der Relegation auch ausgehen mag, bin ich diese Saison mit der Ab- und Aufsteigsregelung nicht glücklich. Die Ausstellung des Armutszeugnisses für den HSV, Köln, Hertha und Lautern wäre Papierverschwendung. Insofern sollte es für alle vier runtergehen. Kompliment dagegen an die Männer aus Augsburg und Freiburg, die sich ihren Verbleib wahrhaftig erarbeitet und verdient haben. Genauso wie Düsseldorf, St. Pauli und Paderborn (!!!), die ihrerseits für ein furioses Aufstiegsrennen in der 2. Liga auf ganz sympathische Weise sorgten und daher aufsteigen sollten. Mit Paderborn hätten wir immerhin wieder eine graue Maus in der ersten Liga. Schade nur, dass es bei dieser Forderung weder zu einem Elbe- noch zu einem Rheinderby in der ersten Liga kommen wird…

Dennoch mein Appell an Sie, Herr Niersbach: Fassen Sie sich ein Herz für die erste richtige Amtshandlung und lassen Sie 4 Absteiger sowie 4 Aufsteiger zu! Solche Arbeitsverweigerungen gehören jedenfalls auch bei sogenannten Traditionsmannschaften bestraft.

(SS)

Mittwoch, 25. April 2012

Barcelona - Chelsea: Eine Ode an den Fussball

Der eine oder andere wird sich über den Titel dieses Blogeintrages wundern, war das gestrige Champions League Spiel zwischen der angeblich besten Mannschaft der Welt und dem Abramowitsch-Klub aus West-London alles andere als ein spielerischer Leckerbissen. Chelsea mauerte und Barca versuchte mit seinem typischen Kurzpassspiel eine Lücke zu finden. Jedes Bundesligaspiel, das man so beschreiben würde, hätte schon längst den Stempel "Langweilig!" groß sichtbar auf der Stirn und man würde im Kicker-Rückblick maximal ein Blick auf das Spielschema, aber nicht auf der Artikel dazu werfen.

Doch was da gestern geschah, war in zweierlei Hinsicht spektakulär.

Zum einen - und das war die eigentliche Werbung für den Fussball - sah man ein Spiel, dass alles bot, was der Fussball im Repertoire hat. Die rote Karte für John Terry, ein verschossener Elfmeter zu einem Zeitpunkt, an dem man das Spiel kippen konnte, wunderbare Tore (nicht zuletzt der 2:1-Anschlußtreffer Ramires war mehr als Messiresk ... oder um es mit Marcel Reif zu sagen: "Ein unfassbares Tor!"), einen Torres-Treffer (dass der nochmal eine Bude macht hätte ich nicht gedacht ;-) ), Spannung bis zum Ende und letztendlich ein Weiterkommen des krassen Außenseiters. Ob das Erreichen des Finales in München für Chelsea letztendlich verdient war oder nicht, sei mal dahin gestellt. Das Fairnessbewusstsein eines jeden Fans würde wahrscheinlich sagen nein, da auf dem Platz gestern die Zeitschinderei und dergleichen ja bis zum Exzess praktiziert wurden. Wer als Profi in der 68. Minute mit einem Krampf auf dem Boden liegt, wie ein Herr Drogba, der verliert schnell an Glaubwürdigkeit und Sympathie. Aber das steht alles auf einem anderen Blatt und dazu gibt es einen erstklassigen Beitrag an anderer Stelle: "Fussball ist Krieg" - Eine Gegendarstellung

Ein zweiter Aspekt zum Spiel fiel mir gestern in der Sportsbar, in der wir uns das Spiel ansahen, auf: Noch vor einem Jahr galt der FC Barcelona als das Maß aller Dinge. Jeder wollte dieses Team spielen sehen, jeder schnalzte mit der Zunge, wenn Iniesta Messi in die Spitze schickte. Doch gestern zeigte sich auch an den Besuchern, dass Ruhm vergänglich ist. Als Torres alleine auf das Tor von Victor Valdes zulief,den 2:2 Ausgleichstreffer erzielte und damit den Sack zumachte, stand der Laden Kopf und ca. 90 % aller anwesenden Gäste jubelten über das Tor der Maurer aus London. Kaum jemand wollte sehen, wie sich der FC Barcelona, trotz seiner großartigen Spielweise, den nächsten Titel unter den Nagel reißt. Ich möchte nicht abstreiten, dass es zu einem gewissen Teil auch am möglichen Finaleinzug des FC Bayern liegt und man Chelsea als leichteren Gegner betrachtet. Nichtsdestotrotz merkt man, dass der beste Fussball der Welt hier und da ein wenig nervt. Die Stimmung bewegt sich woanders hin.

Aus dem Spiel nimmt man wenig mit, außer dem tollen Gefühl, einen großartigen Sport zu lieben und die Hoffnung, dass wir heute Abend ein ebenso gutes Spiel sehen mit dem hoffentlich besseren Ende für die Bayern aus München.

Montag, 23. April 2012

Montagskolumne: Eine neue Gewaltdimension


In unserer heutigen Kolumne wollen wir uns zuerst mit einem Thema auseinandersetzen, dass uns sehr zu denken gegeben hat.
Es geht um den Angriff auf Michal Kadlec durch zwei (angebliche!) Kölner Hooligans in der Nacht von Samstag zu Sonntag in einer Kölner Discothek.
Diese Tat ist unfassbar, jedoch leider nur der absolute Tiefpunkt einer Serie von Gewaltakten in den letzten Wochen und Monaten. Dass dabei Kölner „Fans“ wiederholt in den Fokus geraten, ist äußerst beschämend und gibt zu denken, wie die Kölner Fanszene aufgestellt ist, dass solche Taten wie diese, oder aber auch die Vorfälle auf diversen Autobahnen des Landes, nicht stärker verurteilt und innerhalb der Szene auch aufgeklärt werden. Abschreckungspotential scheint nicht geschaffen worden zu sein. Da ist es keine Entschuldigung, dass der Verein wiederholt der 2. Liga entgegenrast und die Strukturen innerhalb des Club eher als chaotisch einzustufen sind.

Traurig ist aber auch, wie die deutsche Presse auf den Vorfall reagiert. Die Berichterstattung ist nüchtern und wenn Empörung im Beitrag zum Vorschein kommt, dann meist nur in einem Zitat befragter Vereins- oder Verbandsfunktionäre. Während man in Italien die Würde abgibt (?), so scheint man hier, so zumindest der Eindruck, mit einem tätlichen Angriff auf einen Spieler gerechnet zu haben. Es soll hier keine Panik verbreitet werden, oder wieder unnötig eine Diskussion über das Fantum in der Bundesrepublik aufgeworfen werden, doch tätliche Angriffe auf Spieler sind eine ganze neue Dimension und nicht nur eine einmaliger Zwischenfall in Köln.

Eine etwas positivere Nachricht gibt es Dortmund. Der BVB hat sich vorzeitig zum Deutschen Meister 2012 gekürt. Und das wohl zurecht. Wer innerhalb kürzester Zeit den zweit-, dritt- und viertplatzierten der Liga schlägt und seit einem so langen Zeitraum ohne Niederlage an der Spitze steht, wird verdient Meister. Auch wenn es einem Bayern-Fan wie mir wehtut, das zu sehen. Eine Wachablösung, wie es einige ehemalige Trainer und Medienvertreter sehen wollen, ist dies jedoch nicht. Der BVB spielt seit zwei Jahren überragenden Fussball, doch ich denke nicht, dass sie dies noch im nächsten Jahr aufrecht erhalten können. Konflikte wie bei Barrios werden auch mit anderen Spielern auftreten, und vielleicht bald nicht mit so viel Ruhe über die Bühne gehen. Auch möchte ich anzweifeln, dass ein Marco Reus auch im kommenden Jahr eine so überragende Saison spielt, wie die jetzige. Wird vielleicht sogar der vielbeschworene Hunger nach zwei Meistertiteln in Folge abhanden kommen? Spekulationen, Spekulationen.

Aber noch ist diese Saison nicht rum und uns erwarten mindestens noch ein spannendes Halbfinale am Mittwoch in Madrid und das deutsche Clásico in Berlin.

Mittwoch, 18. April 2012

Bayern-Real: Ein Oh-Wie-Geil-Erlebnisbericht

"90.+1.: Wären die Bayern Bremer oder sogar Dortmunder, würde es jetzt 1:2 stehen und wir alle würden sagen: »Aber gut gespielt haben sie ja!«. Da das hier die Bayern sind und nicht Bremen oder Dortmund sagen wir: Sieg."


Was für ein großartiges Spiel war das da gestern in der Allianz Arena.
Ich war in den letzten Tagen immer zwischen übertriebener Euphorie mit einem sicheren 3:0-Tipp und großer Angst, dass es gegen Real eine dicke Klatsche setzt.

Als wir dann so gegen 16.30 Uhr gen MUC aufbrachen, sah man auf der Autobahn schon zig Bayernkorsos auf dem gleichen Weg. Anscheinend kam ein Großteil der 66.000 Zuschauer von gestern Abend aus allem, was nördlich Oberfrankens liegt. Aber so richtig überraschend war das ja auch nicht.
Noch im Auto war ich keineswegs nervös oder aufgeregt. Das änderte sich langsam, als wir uns der Arena näherten. Es gab dann noch die eine oder andere Aufregung und das eine oder andere Bierchen, so dass das ganze etwas verstärkt wurde.



Sobald wir dann unsere Plätze einnahmen, war auch nicht mehr so viel Zeit. Aber schon bei der Mannschaftsaufstellung merkte man, dass es wieder eines dieser besonderen Spiele ist, das auch das besagte "Operettenpublikum" mitreist. Als dann die beiden Mannschaften aufliefen, war es wieder Zeit für Pipi in den Augen und "DIE CHAMPIIIIOOOOOONS...". Immer wieder überragend das im Stadion zu hören.


Dann ging es los, und die ersten paar Minuten habe ich schon längst wieder vergessen, dann danach kam sie wieder: "La Bestia Negra". Und Madrid schien die Hosen voll zu haben. Vielleicht hat aber jemand zusammen mit den Trikots und Schuhen von Özil, Benzema und Ronaldo auch deren Haargel geklaut und die Jungs waren ob ihrer schlecht sitzenden Frisur so verunsichert, dass sie keinen Stich sahen.


Das Stadion bebte jedenfalls nach dem 1:0 durch Ribéry. Niemand hat gesehen, dass es wohl Abseits war, aber mein Gott: Gegen uns gab es solche Entscheidungen auch schon zu genüge.


Wer jetzt dachte, dass Madrid kommt und versucht das Spiel zu bestimmen, der hat vielleicht jede Fussballfibel gelesen, aber war damit trotzdem auf der falschen Fährte. Ein tolles Spiel, dass fast ausschließlich von den Bayern geführt wurde. Und das in einer Geschwindigkeit, dass einem schwindelig wurde.
Das 1:1 war dann eher ein Geschenk des Gastgebers und irgendwie ein typisches für den FC Bayern der letzten zwei Jahre. Bitter. Aber durch meine rote Brille sah ich damit auch die einzige große Unsicherheit in unserer Hintermannschaft. Holger Badstuber machte wieder einmal ein überragendes Spiel, ebenso wie Lahm und Alaba auf den Außen. Unser Jérôme war der einzige, der mir ein paar Sorgenfalten schenkte, aber bis auf diese seltsam Aktion mit Neuer, ging dann doch immer alles bestens aus.


Toll auch zu sehen, dass die Mannschaft nach dem Ausgleich einfach weiter ihren Stiefel runterspielte. Ich hatte seit langem das erste mal das Gefühl, dass wir das Spiel trotzdem gewinnen und hatte daran keinen Zweifel.




Als das 2:1 durch Gomez fiel (mit welchem Körperteil auch immer) stand das Stadion Kopf. Es war so unfassbar laut. Das habe ich so in der Allianz Arena bei den paar Spielen, die ich miterleben durfte, noch nicht erlebt. Zum Madrider Publikum hingegen gibt es nicht viel zu sagen, außer: mau.


Insgesamt eine klasse Leistung der Mannschaft. Lediglich Kroos und Müller fielen ein wenig ab. Ansonsten arbeiteten Robbery erstklassig mit nach hinten, was gerade bei Robben etwas auf Kosten der Offensive ging, aber das war wichtig.



Gegen Real gewonnen, gute Chancen auf das Finale und eine überragende Stimmung. Mehr geht nicht.


Edit: Warum ein Howard Webb und sein Team noch immer zu der Crème de la Crème des internationalen Schiedsrichterwesens gehört und solch wichtigen Spiele leiten darf, ist mir ein Rätsel. Mal abgesehen davon, dass er mindestens eine klare rote Karte nicht gegeben hat, hat er zwar beide Teams mehr oder weniger gleich stark bevor- und nachteilt, allerdings macht dieser Schiedsrichter solch ein Spiel so unglaublich nervös. Am Anfang lässt er viel zu viel laufen und am Ende gibt es ein Kartenregen in Gelb, ohne jedoch dann wirklich in den richtigen Momenten durchzugreifen. Dazu andere eklatante Fehlentscheidungen. Persönlich finde ich den Mann seit "Referees at work" sehr sympathisch, aber ein guter Schiedsrichter ist er einfach nicht.


Edit 2: Vielen Dank an den Bayern Fanclub Röslau !

Montag, 16. April 2012

Montagskolumne: Zwischen Liga-Tristesse und Fangesten


Vor ein paar Jahren waren die Fussball-Fans gelangweilt von der Überlegenheit der Bayern.
Nun ist Dortmund am 31. Spieltag quasi Meister und im oberen Drittel der Liga ist nicht mehr viel Veränderung zu erwarten. Ehrlich gesagt, auch nicht interessanter anzuschauen ...

Diese Tristesse scheint auch auf den FC Bayern übergelaufen zu sein, der sich mit einem 0:0 gegen Mainz in der Allianz Arena zufrieden gibt. Platz 2 ist ihnen sicher. Dieses Spiel kann eher als "Warmmacher" gegen Real Madrid betrachtet werden, die Bayern haben die Ligasaison abgehakt. Nicht zu schmälern ist die Leistung der Mainzer, die in dieser Saison gegen den FC Bayern ungeschlagen bleiben.

Dortmund gewinnt das Pott-Derby gegen Schalke und hat damit einen sehr sicheren Abstand auf die Bayern. Nicht überraschend. Aber damit bleibt zumindest auf  den Plätzen 3 und 4 ein wenig Spannung um die direkte Qualifikation für die Champions League.
Denn Gladbach gewinnt sein Derby, verkürzt den Abstand auf Schalke und schießt damit gleichzeitig die Hoffnungen Kölns,die Abstiegsränge zu verlassen, in den Wind.

Damit wären wir beim Abstiegskampf, der erschien dem Ligabeobachter noch spannend, doch seit diesem Wochenende stehen die diesjährigen Absteiger mit Köln, Kaiserslautern und vielleicht der Hertha wohl fest:

Die roten Teufel vom Betzenberg sind harmlos geworden, von Leistungen der Hinrunde mit Kampfgeist keine Spur mehr. Der FC Nürnberg besiegelt an Samstagnachmittag den sicheren Abstieg der Lauterer und sichert sich selbst gegen das Abstiegsgespenst ab.

Der "Sorgendino" der Liga: HSV hat sich ins Leben und in die Liga zurück gekämpft. Mit einem 1:0 im Nordderby gegen Hannover zeigte das Team, dass es den ersten Abstieg auf jeden Fall verhindern möchte - und kann!

Hertha BSC erarbeitet sich auswärts gegen Leverkusen einen Punkt, eigentlich gut, aber im Abstiegskampf zu wenig. Mit 5 Punkten auf einen Nichtabstiegsplatz wird der Weg raus aus der Abstiegszone - trotz machbarem Restprogramm- schwierig.

Neben dem Bundesliga-Alltag geraten doch in dieser Saison auch die Fans immer wieder in den Fokus, oft leider nicht durch Fairness-Gesten...

Die Kölner Fans, die das Auf und Ab ihrer Mannschaft doch gewohnt sein müssten, sorgen dafür, dass ihre Profis unter Polizeischutz spazieren müssen. Was ist los in der Fanwelt?! Vor Jahren galten gerade Fans des FC Köln als Fussballverrückte, die den Karneval jedes Heimspiel ins Stadion brachten.
Klar, ein Abstieg ist nie schön, aber der FC Köln ist seit Jahren eine Fahrstuhlmannschaft und da stellt sich die Frage, was in dieser Saison anders ist?! Ist das die Befürchtung der FC Fans, dass ohne Prinz Poldi nichts mehr geht?

Auch die BVB-Fans freuen sich über ihre quasi sichere Meisterschaft! Das ist gut und das haben sie verdient. Was nicht so gut ist, ist die Tatsache, dass wohl auch die Dortmunder Fangemeinde vom von allen so verhassten ERFOLGSFAN nicht verschont geblieben ist. Dachte man bis zu dieser Saison solche Typen würden sich nur beim FC Bayern tummeln, wird man derzeit eines Besseren belehrt! Jeden Spieltag das selbe: selbstgerechte und gegen die anderen arrogante Brüllereien loslassende BVB-Fans. Das nervt nicht nur die derzeit leidgeplagten Bayernfans, sondern auch alle anderen. Wo wart ihr alle, als es Dortmund nicht so gut ging, man nicht ständig mit 3 Punkten mehr nach den Spielen rechnen konnte?

Ich lobe mir die langjährigen Fans, egal welchen Vereins, die den Fussball lieben und sich in den erfolgreichen Zeiten nicht so weit aus dem Fenster lehnen. Gegenseitige Neckereien zwischen den Fanlagern gehören dazu, aber es gehört auch dazu, einfach mal Fussball Fussball sein zu lassen und mit dem gegnerischen Fan anzustoßen auf ein: „Na da halt nächste Saison!“ Schließlich haben wir eins gemeinsam: Wir lieben Fussball!

(IT)